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Mann mit Tränen

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Trost in Tränen

Wie kommt's, daß du so traurig bist,
Da alles froh erscheint?
Man sieht dir's an den Augen an,
Gewiß, du hast geweint.

»Und hab ich einsam auch geweint,
So ist's mein eigner Schmerz,
Und Tränen fließen gar so süß,
Erleichtern mir das Herz.«

Die frohen Freunde laden dich,
O komm an unsre Brust!
Und was du auch verloren hast,
Vertraue den Verlust.

»Ihr lärmt und rauscht und ahnet nicht,
Was mich, den Armen, quält.
Ach nein, verloren hab ich's nicht,
Sosehr es mir auch fehlt.«

So raffe denn dich eilig auf,
Du bist ein junges Blut.
In deinen Jahren hat man Kraft
Und zum Erwerben Mut.

»Ach nein, erwerben kann ich's nicht,
Es steht mir gar zu fern.
Es weilt so hoch, es blinkt so schön,
Wie droben jener Stern.«

Die Sterne, die begehrt man nicht,
Man freut sich ihrer Pracht,
Und mit Entzücken blickt man auf
In jeder heitern Nacht.

»Und mit Entzücken blick ich auf,
So manchen lieben Tag;
Verweinen laßt die Nächte mich,
Solang ich weinen mag.«

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)
Quelle: Goethe, Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Lieder

 

Vogel vor Sonnenuntergang am Meer

Foto: https://pixabay.com/de/users/221715

Was bewegt dich, stiller Himmel?
Was beschwingt die schweren Wolken?
Herz, wie kommt die helle Höhe
übers tiefgraue Meer?

Durch die Wolken schwebt ein Vogel,
schwebt vorbei mit hellen Flügeln,
trägt die goldne Morgenröte
übers tiefgraue Meer.

Komm zurück, du goldner Vogel!
Nimm mich hoch in deine Höhe!
Trag mein Herz, du helle Hoffnung,
übers tiefgraue Meer!

Richard Fedor Leopold Dehmel (1863 - 1920)
Deutscher Dichter, Lyriker, Dramatiker und Kinderbuchautor

Foto: https://pixabay.com/de/users/cocoparisienne

 

Bei Nacht

Der Nebel schleicht durchs öde Moor
In sternenloser Nacht,
Zur Klage ist im welken Rohr
Der kalte Wind erwacht.

Ich raste stumm auf einem Stein
Die Brust von Leid durchwühlt,
Ach doppelt trägt er jede Pein,
Der sich verlassen fühlt.

Ich habe Thränen ausgestreut
Schon lang als reiche Saat,
Wann darf ich hoffen still erfreut,
Daß meine Ernte naht?

Der Nebel schleicht durchs öde Moor
In sternenloser Nacht,
Zur Klage ist im welken Rohr
Der kalte Wind erwacht.

 

Adolf Pichler (1819 - 1900)
Österreichischer Schriftsteller und Naturwissenschaftler

Quelle:
Pichler, Gedichte von Adolf Pichler, Innsbruck
Verlag der Wagner'schen Buchhandlung, 1853

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