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Foto: https://pixabay.com/de/users/avtar

Schöne Mondfrau

Schöne Mondfrau, gehst du schlafen
Lächelnd und so munter,
Leise mit den Silberschafen
In die Nacht hinunter?

O und du im hellen Kleide,
Liebe Schehrazade,
Spielst du, daß die Nacht nicht leide
Deine Serenade?

Wandermüde, wundertrunken
Komm in meine Ruhe.
Blaue, weiche Sternenfunken
Küssen deine Schuhe.

Sieh, die Nacht ist so lebendig,
Voller Duft und Gnade.
In den Bäumen eigenhändig
Spielt sie sich die Serenade.

Hugo Ball
(1886 - 1927)
deutscher Schriftsteller und Kulturkritiker
Mitbegründer der Dada-Bewegung

Quelle: Ball, Gedichte. Entstanden um 1917

 

 insect 399407 1920

 Foto: https://pixabay.com/de/users/A_Werdan

 

Nachtfalter

Nachtfalter
kommen verloren
Wie Gedanken aus
dem Dunkel geboren,
Sie müssen dem Tag
aus dem Wege gehen
Und kommen zum Fenster
um hellzusehen.
Und in die Nachstille
versunken,
Flattern sie zuckend
und trunken,
Sie haben nie Sonne,
nie Honig genossen,
Die Blumen alle
sind ihnen verschlossen.
Nur wo bei Lampen
die Sehnsucht wacht,
Verliebte sich grämen
in schlafloser Nacht
Da stürzen sie in das Licht,
sich zu wärmen,
Das Licht,
das Tränen bescheint
und Härmen:
Die Falter der Nacht,
die Sonne nie kennen,
Sie müssen an den Lampen
der Sehnsucht verbrennen.

Max (Maximilian Albert) Dauthendey
(1867 - 1918), deutscher Dichter und Maler

Franz Kafka

Nachts

Versunken in die Nacht.
So wie man manchmal den Kopf senkt, um nachzudenken,
so ganz versunken sein in die Nacht.
Ringsum schlafen die Menschen.
Eine kleine Schauspielerei
eine unschuldige Selbsttäuschung,
daß sie in Häusern schlafen,
in festen Betten, unter festem Dach,
ausgestreckt oder geduckt auf Matratzen, in Tüchern, unter Decken,
in Wirklichkeit haben sie sich zusammengefunden
wie damals einmal und wie später in wüster Gegend,
ein Lager im Freien,
eine unübersehbare Zahl Menschen,
ein Heer, ein Volk, unter kaltem Himmel auf kalter Erde,
hingeworfen wo man früher stand, die Stirn auf den Arm gedrückt,
das Gesicht gegen den Boden hin, ruhig atmend.
Und du wachst, bist einer der Wächter,
findest den nächsten durch Schwenken des brennenden Holzes aus dem Reisighaufen neben dir.
Warum wachst du?
Einer muß wachen, heißt es.
Einer muß da sein.

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